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Mi, 21.07.2010 |
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| 27. Nordostschweizerisches Jodlerfest Schaffhausen/Neuhausen am Rheinfall 2.-4. Juli 2010 |
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Das tut dem Berichterstatter wohl, ein Jodlerfest in seiner alten Heimatstadt. Schaffhausen, eine Stadt, in der das lokale Blatt, die „Schaffhauser Nachrichten“, noch den Untertitel „Intelligenzblatt“ führt, und wo das Stadttheater nicht einfach “Stadttheater“, sondern - von den Alteingesessenen wenigstens - noch „Imthurneum“ genannt wird; die Stadt mit der nie im Ernstfall auf ihre Tauglichkeit überprüften Festung Munot, am Rhein gelegen, nahe beim Rheinfall, dessen Umgebung erst kürzlich durch die Errichtung eines gewaltigen Liftturms effektvoll verschandelt wurde (wo waren da für einmal der Heimat-und der Naturschutz?).
Da war auch wieder das kernige Idiom, das man selber zwar nicht mehr rein spricht, den Berichterstatter aber nach wie vor eindeutig als einen aus dieser Ecke des Landes Stammenden ausweist. Kurz, der OK Präsident Gerold Bührer wies in seiner Begrüssung darauf hin, Schaffhausen ist eine wunderschöne „kleine Stadt“, die sich mit ihrem speziellen Cachet sehr gut für die Durchführung eines Jodlerfestes eignet. Hinzukam grosses Wetterglück: abgesehen von einem allerdings gesalzenen Gewitter am Samstagabend herrschte auch meteorologisch eitel Sonnenschein.
Ganz besonders Besucher von vorangegangenen Jodlerfesten nahmen dieses Umschwenken auf sommerliche Temperaturen dankbar zu Kenntnis.
So war denn auch das Motto des Festes „‘s Jodlerfest am Rhii, es chönnt niened schöner si“ sehr passend, und diejengen Einheimischen, die von ihrem „Paradies“ schwärmten, lagen auch nicht weit daneben. Mit ihren 3 „Tausender Kirchen“ St. Johann, Santa Maria und dem Münster verfügt die Stadt sodann über wunderbare Vortragslokale, wo die Stimmen der Jodler sehr schön zum Tragen kamen. Etwas heisser ging es im Stadtheater zu und her, aber Jodler wissen mit solchen kleinen Problemen umzugehen. Die Alphornbläser führten Ihren Wettbewerb auf der Wiese neben dem Munot durch, wo sie von Strassenlärm und andern Emissionen weitgehend verschont blieben (wer erinnert sich nicht an die Lamborghini-Parade in St. Moritz!).
Die Fahnenschwinger trafen sich in Neuhausen in der Rhyfallhalle und waren auch dort sehr gut unterge-bracht. Alle Wettbewerbsstätten waren somit, vielleicht mit Ausnahme der letztgenannten Fahnenschwinger, sehr gut zu Fuss erreichbar, was der Charakteristik des Festes als zusammenhängender Veranstaltung sehr zugute kam.
Den Anfang des Festes markierten 3 Böllerschüsse von der Zinne des Munots, die zwar auf dem Herrenacker, wo die Eröffnung stattfand, kaum gehört wurden, die aber zu schaffhauserischen Festen einfach dazugehören. OK Präsident Gerold Bührer begrüsste zusammen mit den organisierenden Klubs „Jodlerklub vom Rheinfall Neuhausen“, „Jodlerklub Randen Schaffhausen“ und „Jodelklub Alperösli Schaffhausen“ die bereits anwesenden Festbesucher, unterstützt von Stadträtin Jeanette Storrer und Regierungsrat Christian Amsler.
Anschliessend ging es dann los an den Wettbewerbstätten, in den Kirchen und im Theater: es wurde gejodelt, geblasen und Fahnen geschwungen, die einen taten dies mit mehr, die andern mit etwas weniger Erfolg, die Begeisterung am Tun und an der Sache an sich war aber allen gemeinsam und überall vorhanden.
Für den Berichterstatter ergaben sich einige kleine Schwierigkeiten: so war es fast nicht möglich, ein Foto zu schiessen, ohne den Schriftzug des Hauptsponsors des Festes, ein Grossverteiler, mit auf dem Bild zu haben. Die Präsenz auf dem Fest ist natürlich ein berechtigtes Anliegen eines Sponsors, aber männiglich hat sich gefragt, ob das nicht des guten doch etwas zu viel war. Anders lag das Problem in den Kirchen: hier gab es zwar keine Fähnchen und Banner des erwähnten Grossverteilers, dafür war Fotografieren mit Blitz während der Gesangsvorträge nicht gestattet (auch dem offiziellen Berichterstatter nicht!).
Sehr stimmungsvoll wurde dann aber der Festakt im St. Johann (mit Betonung auf der letzten Silbe bitte) gestaltet. Die NOSJV-Fahne kam dabei von St. Moritz zurück ins Unterland nach Schaffhausen, wo sie für die nächsten 3 Jahre ihre Heimat finden wird. Thomas Feurer, Stadtpräsident von Schaffhausen, wies auf die 800-jährige Tradition des Ortes hin und beeilte sich, Tradition nicht mit Rückständigkeit, sondern vielmehr mit Bodenständigkeit gleichzusetzen, wortwörtlich mit der wahren Verbun-denheit mit der Heimaterde. Dass der FCZ schon 1905 ein eigenes Jodler-Doppelquartett gehabt haben soll, wussten wahrscheinlich nur Wenige, wenn auch bekannt ist, dass sich viele Jodlerklubs aus Sport- und dabei namentlich aus Turn-vereinen entwickelt haben.
Mit seiner kurzen und prägnanten Festansprache zeigte Nationalrat Thomas Hurter, dass so ein Festakt auch ohne Bundesrat durchgeführt werden kann, sogar sehr gut und ohne Substanzverlust. Zum eigentlichen Höhepunkt wurden aber - neben einem wie immer mit sehr viel Sympathie bedachten Kinderchörli - die Vorträge der Jodler aus dem Alpsteingebiet: wenn an die 80 Appenzeller in ihrer wunderschönen roten Tracht zu einem Naturjodel ansetzten, wird wohl jeder innerlich berührt. Da werden Zusammenhänge zwischen Natur, Musik, stupendem Können, Verbundenheit mit der Volksseele, echt empfundener Heimatliebe und auch jenseits des Weltlichen liegende Apekte sichtbar, die zusammen ein Erlebnis von ganz besonderer Art bedeuten können. Ueli Walther wies einmal mehr darauf hin, dass es nichts nütze, vom Brauchtum nur zu reden. Wichtig sei vielmehr, dass dieses als gelebte Kultur in ein funktionierendes soziales Umfeld eingebettet werde und so auch in unserer Zeit eine wichtige Kompo-nente unseres Zusammenlebens bilden könne.
Im Anschluss an den Festakt fand ein ökumenischer Gottesdienst im St. Johann und in der Santa Maria eine Jodlermesse statt. Beides führte über zum Festbankett, das bei strahlendem Wetter auf den Herrenacker stattfand. Die Organisatoren und ihre zahlreichen Helfer haben alles unternommen, um auch diesen Teil des Festes unvergesslich zu machen. Man hat keine Kosten und Mühen gescheut, um den Teilnehmern beste Voraussetzungen für die Wettbewerbe, aber auch für fröhliches Feiern und Zusammensein zu schaffen. Den Abschluss des Festes bildete wie immer ein farbenfroher Umzug mit 51 Gruppen. Für manch einen, Jodler, Bläser, Fahnenschwinger oder auch Zuschauer, ist dies jeweils der absolute Höhepunkt eines Jodler-Festes. Und wenn man den NOSJV-Vorstand in den ersten Kutschen des Umzuges beobachtete, kam man zum Schluss, das macht tatsächlich Spass.
Die engen Gassen der Schaffhauser Altstadt waren aber auch sehr geeignet für eine solche Präsentation des Brauchtums und ermöglichten einen nahen und direkten Kontakt zwischen den vorbeiziehenden Gruppen und dem Publikum. Auch Petrus hatte ein Einsehen: als es rund um Schaffhausen bereits regnete, blieb der Umzug bis zum Schluss von Regen verschont. So wird auch dieser Umzug schlussendlich Teil einer schönen Erinnerung an ein wunderbares Jodlerfest in einer „kleinen Stadt“ mit viel Flair und Ambiente sein, an ein Fest, das viele Höhepunkte setzte und dessen Nachklang noch lange hörbar sein wird.
Ueli Schenk |
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